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Wieso das Modell in anderen Systemen funktionieren sollte als im visuellen Wille und willentliches Merkvermögen Bewusste und unbewusste Komponenten der Bewegungskontrolle Warum gab es ein solches Modell noch nicht? Künstliche Wesen, Horrorvorstellung oder Bereicherung?
Höhere FunktionenNatürlich könnte ich jetzt versuchen, das Modell auf alle anderen Sinne anzuwenden, die viel weniger erforscht sind als das visuelle System. Aber was brächte es, wenn ich eine hypothetische Verschaltung beschreibe, die sich dort ausbilden könnte. Das Modell hat klare Regeln. Es kann simuliert werden, und dann wird man wissen, welche Verschaltung sich ergibt. Dass es eine sinnvolle Verschaltung sein wird, und sich ein solcher Versuch lohnen sollte, habe ich so gut wie möglich zu belegen versucht, indem ich gezeigt habe, dass sich das visuelle System weitgehend durch das Modell erklären lässt. Wieso das Modell in anderen Systemen funktionieren sollte als im visuellenWieso dürfen wir darauf hoffen, dass das Modell auch für andere Erkenntnisbereiche gilt? Ganz einfach deshalb, weil es aus den Konditionierungsregeln entwickelt wurde. Diese sind statistischer Natur, und Statistik gilt in allen Erkenntnisbereichen. Aber wieso sollte die zeitliche Codierung räumlicher Information etwas für andere Bereiche bringen? Nun, der Abziehbildsignalfluss tritt ja überall dort auf, wo Und-Verbindungen vorliegen. In diesen Bereichen fließt das Signal nach dem Schema des Abziehbildes ab. Natürlich kann so etwas auch in anderen Gehirnbereichen vorkommen, denn der Tastm Hör und Geschmackssinn werden auch auf Projektionsfelder im Gehirn übertragen und liefert daher auch ein Reaktionsbild, auf dem ebenfalls Und-Verbindungen entstehen werden. Das Modell führt aber nicht überall zu einer Zeitcodierung, sondern nur dort, wo eine andere Vorankündigung der Reize ausbleibt. Gibt es eine allgemeine Definition, wann Zeitcodierung Sinn macht, und was sie bringt? Ich würde sagen, zeitliche Codierung macht es möglich Reize in Relation zueinander zu erfassen, unabhängig von der räumlichen Relation, in der sie zu uns als Betrachter stehen. Da sich die räumliche Position des Betrachters ständig ändert, zum Wiedererkennen von Dingen jedoch konstante Daten erforderlich sind, ist die Zeitcodierung räumlicher Information oft der einzige Weg, um überhaupt etwas Wiedererkennen zu können. Da auch taktile Informationen räumlicher Natur sind, werden sie wohl auch zeitcodiert werden, wenn sie dem Wiedererkennen von Objekten dienen sollen. Bemerkenswert ist, dass umgekehrt die zeitliche Information des auditiven Systems räumlich codiert wird. Zeitliche Ereignisse werden durch bestimmte Neuronen im Netz repräsentiert, erhalten also eine klare räumliche Zuordenbarkeit. Sie können dadurch zeitunabhängig (also zu einem beliebigen Zeitpunkt) wiedererkannt werden. Wir können also sagen: Zeitcodierung macht räumliche Information raumunabhängig wiedererkennbar, räumliche Codierung macht zeitliche Information zeitunabhängig wiedererkennbar. Eigentlich ist es ein Widerspruch in sich, zeitliche Information zeitunabhängig abzuspeichern. Die Information besteht ja darin, dass etwas zu einem bestimmten Zeitpunkt stattfindet. Aber wäre eine Information durch ihren Zeitpunkt als etwas einzigartiges gekennzeichnet, so gäbe es kein Wiedererkennen. Deshalb setzt unser Gehirn den Zeitpunkt nicht fix fest, sondern in Relation zu den benachbarten Zeitpunkten. Es erhält dadurch Maße, die in der Welt immer wieder vorkommen. Wir finden also die erhaltenen Zeitrelationen in der Welt öfter als das eine mal. Einen fixen Zeitpunkt hingegen gibt es nur einmal. Er kann also gar nicht wieder auftreten, also auch nicht wiedererkannt werden. Wiedererkennen basiert also auf zeitunabhängiger, also relationaler Zeiterfassung und raumunabhängiger, also relationaler Raumerfassung. Wenn wir bedenken, dass bereits eine Signalstärke, also eine zeitliche Signaldichte, eine zeitliche Information ist, und eine Zelle, die nur auf diese bestimmte Signalstärke anspricht, bereits eine räumliche Codierung dieser Information darstellt, so werden wir entdecken, dass die Verarbeitung im Gehirn regelrecht auf dem Prinzip beruht, ständig zeitliches räumlich zu codieren und wieder retour. Es ist also durchaus davon auszugehen, dass ein Modell, das die zeitliche Codierung räumlicher Information beinhaltet, auch für andere Sinnesdaten gilt, nicht nur für visuelle. Sozialer KontaktDas Modell wurde vor allem konzipiert, um zu erklären, wie die Welt in unseren Kopf kommt, und woraus sich unser Verhalten in der Welt erklärt. Wir reagieren jedoch nicht nur auf die leblose Welt, sondern wir interagieren auch miteinander. Menschen lernen voneinander. Sie profitieren von den Erfahrungen Anderer, sprechen miteinander. Durch Lernprozesse kann das System auch feststellen, dass die Wiedererreichung seiner Grundbedürfnisse oft mit der Anwesenheit einer Person korreliert, die es betreut. Selbstlernende Systeme werden genau wie kleine Kinder in ihrer Lernzeit Betreuung brauchen, um z. B. aus einer Zimmerecke wieder herauszufinden, in die sie sich manövriert haben, oder um nicht über die Stiegen zu fallen, oder auch nur, um zu lernen die Steckdose wiederzufinden, und ihr Stromkabel dort einzustecken. Die Anwesenheit des Betreuers ist kein Grundbedürfnis, sondern ein erlerntes Bedürfnis, also eine Emotion, und somit viel komplexer. Es lässt sich aber erahnen, dass die Signale, welche die Wiedererreichung der Sollwerte signalisieren, oft mit der Anwesenheit des Betreuers korrelieren, und somit mit der inneren Repräsentation des Betreuers verbunden werden. Dadurch entsteht eine positive Bewertung des Betreuers, denn Werte werden von den Bedürfnissen auf andere Wahrnehmungen übertragen, das weiß auch die Werbepsychologie. Ich denke Liebe beim Menschen ist so komplex, dass sie nie wirklich erklärt werden kann. Aber sie hat sicherlich auch etwas mit all den Bedürfnissen zu tun, deren Erfüllung in der vorgestellten Zukunft immer gemeinsam mit dem Partner geschieht. Verliert man den Partner, bricht die die ganze vorgestellte Zukunft zusammen, und man erlebt eine ungeheure Orientierungslosigkeit und Leere. Zumindest dieser Aspekt der Liebe hat nichts magisches, sondern ist durchaus erklärbar, und wird vielleicht in ferner Zukunft auch von künstlichen Wesen erlebt. Faszinierend ist auch die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinversetzen zu können. Sie gehört zu den komplexesten Voraussichten der Welt, da ja das Gehirn des Anderen ein Teil der erlebten Welt ist. Wie alle komplexen Zukunftsvorstellungen, an denen alle Sinneserfahrungen beteiligt sind, spielt sich diese Leistung im Stirnhirn ab (Abo-Ticker 2001.04.30, WSA 2001.02.01, WSA 2001.05 Link). SpracheDass ein Wesen, das über eine innere Repräsentation der Welt verfügt, bis zu einem gewissen Grad auch Sprache erlernen wird, ist einleuchtend. Eine Mutter begleitet die Handlungen ihres Kindes sprachlich. So verwendet sie öfter das Wort Bagger, wenn das Kind mit dem Bagger spielt. Diese statistische Häufung fällt zusammen mit der statistischen häufigeren Wahrnehmung des Baggers, und somit wird der visuelle Eindruck mit dem auditiven Eindruck des Wortes Bagger verbunden. Dass die Sache sich wirklich so einfach verhält und wirklich aus der assoziativen Konditionierung zu erklären ist, legen Untersuchungen nahe, die zeigen, dass früheste Erinnerungen von Kindern später immer noch in der Kleinkindersprache von damals erzählt werden (Abo-Ticker 2002.05.08 Link), und dass Erinnerungen von Personen, die in ihrem Leben die Sprache gewechselt haben, in der alten Sprache gedacht werden (WSA 2001.03.08 Link). Sprache hat auch etwas damit zu tun, sich in ein fremdes Gehirn zu versetzen. Sie führt zu einer Angleichung der Denkinhalte mit einer anderen Person. Ob ein Modell des Spracherwerbs durch Konditionierung hingegen ausreicht, um das Verständnis für abstrakte Begriffe zu erklären, oder grammatikalisch richtig sprechen zu lernen, kann man nicht beurteilen, ohne dieses Gehirnmodell zu verwirklichen. Ich glaube jedenfalls daran, dass der Erwerb eines ordentlichen Sprechvermögens nur eine Frage der Gehirnkapazität ist. Immerhin soll inzwischen Software entwickelt worden sein, die gesprochene Wörter so gut erkennt wie der Mensch (Berger 2002 Link), aber natürlich ohne die Bedeutung dahinter zu kennen. Wille und willentliches MerkvermögenDadurch, dass das Gehirn uns auch eine Hypothese über die Zukunft verschafft, und diese Voraussage natürlich auch unseren Körper einschließt, können wir auch zukünftige Triebe und Bedürfnisse prognostizieren, und in unserem Tun berücksichtigen. Wir sind somit keine reinen Reiz-Reaktionsmaschinen, denn wir sind nicht nur von der äußeren Welt gelenkt, sondern auch durch unsere innere, die auch falsch sein kann. Insofern ist unser Wille frei von der realen Welt. Schoppenhauer sagt: Wir können tun was wir wollen, aber nicht wollen was wir wollen. Kurz, wir suchen uns nicht unseren Willen aus, sondern nur unser Tun. Der Wille hat Ursachen, die nicht frei sind. Wären sie frei, wären es ja keine Ursachen, sondern es wäre Zufall. Und einen zufälligen Willen können wir ja auch nicht brauchen. Aufmerksamkeit ist die einfachste Willenshandlung. Es handelt sich dabei bereits um eine Top-Down Aktivität und sie ist, zumindest beim Menschen, von Bewusstsein begleitet. Die aus meiner Sicht interessanteste Handlung, die ein Mensch setzen kann, bezieht sich auf das kognitive System selbst. Ein Mensch kann prognostizieren, dass es gut wäre, über eine Information (wie z. B. den Namen eines Menschen) in Zukunft noch zu verfügen, und er kann dann bewusst einen Lernprozess in Gang setzen. Ohne dieses bewusste Einschalten des Gehirns würde er sich den Namen vielleicht erst nach der zehnten Begegnung merken, denn Lernen basiert ja auf Wiederholung. Der Auslöser dieses bewussten Lernens ist klar. Er liegt in der Erkenntnis, dass man dieses Wissen in der Zukunft brauchen wird. Der Einfluss, den diese Erkenntnis auf das Lernsystem hat, entspricht circa dem einer starken Emotion. Diese führt ja auch zu gesteigertem Merkvermögen und dauerhafterer Speicherung. Es muss also einen Einfluss vom Limbischen System, über das die Triebe, Bedürfnisse und Emotionen an das Gehirn vermittelt werden, auf das Lernvermögen geben. Der dazu in Frage kommende Teil des Limbischen Systems ist der Hippocampus. Er ist nachweislich für das bewusste Lernvermögen verantwortlich (Karl C. Mayer 2002 Link). Die Fähigkeit unser Merkvermögen bewusst zu kontrollieren, dürfte erst mit der Ausreifung des Hippocampus im dritten Lebensjahr möglich sein Von diesem Zeitpunkt an können wir auch willentlich Erinnerungen wachrufen. Von der Zeit davor wissen die meisten Menschen nur aus Erzählungen (Gruber, Werner 2000 Link). Erst dann können Kinder ihre Konzentration kontrolliert auf eine Sache lenken. Drei Jahre später können sie das dann gut genug, um als schulreif zu gelten. Natürlich könnten wir unserem Kunsthirn auch die Möglichkeit geben, sein Merkvermögen zielgerichtet zu kontrollieren. Das hat aber erst Sinn, wenn das Kunsthirn so viel Voraussicht hat, dass es weiß wozu es sich etwas merken will. Die Repräsentation der Welt, und der Blick in die Zukunft, müssen dazu schon weit entwickelt sein. Vielleicht muss es auch erst einmal vier Jahre die Welt kennenlernen, bevor eine solche Funktion Sinn macht. Wir können dem künstlichen Wesen ab dieser Reife einen Schalter zur Steigerung seines Merkvermögens in die Hand geben, und wenn er mit Energieverlust kombiniert ist, dann wird das System ihn nur dann nützen, wenn seine Zukunftsvoraussicht ihm sagt, dass die zu merkende Information irgendwann wichtig sein wird. Kinder werden in der Schule darauf trainiert ihr Merkvermögen bewusst einzuschalten. Wer das nicht erlernt wird im Schulsystem nicht weit kommen. Das Merkvermögen darf aber nicht dauerhaft eingeschalten sein, denn das Gehirn erlernt ja deshalb alles erst nach einigen Wiederholungen, um unsinnige Zusammenhänge, die sich nicht wiederholen lassen, auszusortieren. Trotzdem muss das Gehirn die Fähigkeit besitzen die Merkfähigkeit zu variieren. Das Kind wird nun manchmal für seine Merkfähigkeit belohnt, z.B. durch Anerkennung durch den Lehrer, manchmal bestraft, z.B. indem sich erlernte Zusammenhänge als falsch erweisen. So kann es lernen Merkfähigkeit gezielt dann einzusetzen, wenn es mit verlässlichen Quellen konfrontiert ist, oder mit Informationen, von denen es glaubt sie noch zu brauchen. Ich denke Bewusstsein ist ganz stark mit der Fähigkeit verbunden, Informationen auf deren Wert für die Zukunft zu überprüfen. Die Meta-Funktion, seine Merkfähigkeit einigermaßen zu kontrollieren, könnte den Menschen über die Tiere stellen, und seinen Siegeszug ausgelöst haben. Einem künstlich intelligenten Wesen würde ich diesen Schalter, der das Merkvermögen erhöht, außen montieren, so dass ich, als sein Erzieher, ihn bei bedarf auch selbst drücken kann. Es scheint als würden die Signale im Hippocampus in Form einer Langzeitpotenzierung aufrecht erhalten, bis in der Großhirnrinde die nötigen Verbindungen verschalten sind (Spitzer S.220 Link). Es ist vorstellbar, dass diese Langzeitpotenzierung dazu dient Signalimpulse zu wiederholen, bis die Verbindungen entstehen, wenngleich es auch Studien gibt, wonach Lernen nicht mit den gemessenen Langzeitpotenzierungen zusammenhängt. (Abo-Ticker 1997.10.27, Abo-Ticker 1999.03.26, Abo-Ticker 1999.06.16 Link). Die Ungereimtheiten in den Untersuchungen dürften darauf beruhen, dass der Hippocampus für das Erlernen von Fähigkeiten nicht notwendig ist. So konnte der bekannte Patient H.M. durchaus noch das Schreiben in Spiegelschrift erlernen. Es handelt sich dabei ja auch nicht um einen einmaligen bewusst gesetzten Merkprozess, sondern um ein Einüben (Spitzer S.216 Link). Aber damit der Hippocampus Verbindungen in der Großhirnrinde trainieren kann, müssten die Signale ja irgendwie genau zu diesen Zellen finden, oder durch einen bestimmten zeitlichen Code genau diese Zellen anregen. Da nicht bekannt ist, dass jede Zelle eine eigene Verbindung zum Hippocampus hat, müssten die notwendigen Signale über andere Zellen hinweg zu ihrem Zielort gelangen. Diese gesamte Bahn müsste über Langzeitpotenzierung aufrechterhalten werden. Vorstellbar ist das durchaus. Mein Modell der Aufmerksamkeit arbeitet ja ähnlich. Der aufrechterhaltene Signalweg braucht ja nicht der aller stärkste sein. Er darf ruhig aus der bewussten Aufmerksamkeit verschwinden und doch wirksam bleiben. Im übrigen startet ja auch die Aufmerksamkeit oft im Lust/Unlust-Zentrum des Gehirns. Diesem Limbischen System gehört auch der Hippocampus an (Karl C. Mayer 2002 Link). In einem künstlichen System wird man auch ein Lust-Zentrum benötigen, wo die Istwerte mit den Sollwerten verglichen werden, aber es werden wahrscheinlich keine Langzeitimpulse nötig sein, um Informationen zu fixieren. Die Verwandtschaft der bewusst gesetzten Merkvorgänge mit dem Thema Aufmerksamkeit zeigt sich auch an Messungen synchronisierter Signale beim Merkvorgang, die eine vorübergehende Verbindung zwischen Großhirnrinde und Hippocampus belegen. (Abo-Ticker 2001.11.09 Link). Genau eine solche vorübergehende Verbindung von Gehirnbereichen durch Aktivierung ist uns ja auch im Modell zur Aufmerksamkeit begegnet. Synchronisierung durch Aufmerksamkeit ist ebenfalls bereits am lebenden Gehirn bestätigt (Abo-Ticker 2001.02.26, Abo-Ticker 2000.03.16 Link). Wahrscheinlich basieren bewusste Merkvorgänge auf dem selben Prozess, wie die Aufmerksamkeit. Es ist sogesehen nicht wahrscheinlich, dass im Hippocampus Information zwischengespeichert wird, wie das Frankland u. Kollegen annehmen (Abo-Ticker 2001.05.23 Link) Ihnen widersprechen auch andere (Crost u.a. 2002 Link). Der Hippocampus ist unserem Modell zufolge lediglich Aktivitätsgeber um eine Verbindungskette im Cortex aktiv und somit im Arbeitsgedächtnis zu halten. Sie bleibt im Idealfall aktiv bis sie langzeitgespeichert ist. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch Elger anhand neurophysiologischer Studien (Abo-Ticker 1999.09.07 Link). Die Aufrechterhaltung der Aktivität bestimmter Verbindungswege verschafft dem Gehirn die Möglichkeit, auch im Schlaf noch weiterzulernen. Was am Tag nicht ins Langzeitgedächtnis wandern konnte, kann dies Nachts tun. Dazu wurden bereits sehr aussagekräftige Studien gemacht (Abo-Ticker 2000.07.20, Stickgold, Mathew 2002, WSA 2002.01.19, WSA 2001.07 Link) Unser künstliches System wird allerdings keinen Schlaf brauchen. Was ist Bewusstsein?Im übrigen soll hier nicht der Eindruck entstehen, alles Lernen wäre mit Bewusstsein verbunden. Wahrnehmungslernen, motorisches Lernen, und überhaupt alle Lernvorgänge, die sich durch Wiederholung einprägen, verlaufen meist völlig unbewusst (Abo-Ticker 2001.10.30 Link). Schon eher mit Bewusstsein gekoppelt scheinen die top-down aktivierten Bahnen der Aufmerksamkeit und Vorstellung (Held 2002 Link). Birbaumer zählt Denkprozesse auf, die wir nicht ohne Bewusstsein durchführen können: Schelle Lernprozesse, Urteile, Wahlentscheidungen, Pläne, die Reaktion auf Neues, Gefährliches, bei der Überwindung von Gewohnheiten (Bierbaumer 1997, S.514 Link). All diese Dinge sind mit Aufmerksamkeit gekoppelt und spielen sich im Arbeitsgedächtnis ab, also im derzeit aktivierten Teil des Zukunftsbaumes. Es sind Denkprozesse, die auf Erfahrungen zurückgreifen. Sie besitzen eine gewisse Abgenabeltheit von der Gegenwart, denn Vorstellungen lösen in uns Handlungen aus, die aus der Gegenwärtigen Außenwelt gar nicht erklärt werden können. Wir sind sogesehen keine Reiz/Reaktions-Maschinen. Meine Vermutung ist, dass aus diesem schöpferischen Prozess, der im Gehirn stattfindet, Bewusstsein hervorgeht. Der Ursprung dieser Aktivitäten dürfte unserem Modell zufolge meist im Lust/Unlust-Zentrum liegen. Auch Thomas Metzinger betont das Körpergefühl als Quelle des Bewusstseins (Metzinger 2002 Link). Zu nennen ist hier auch noch Gerhard Roth (2001 Link). Er nennt in seiner Arbeit Untereinheiten des Ich, die ich hier gerne zitieren will: >Das Ich besteht aus Untereinheiten: (1) das Körper-Ich (dies ist mein Körper), (2) das Verortungs-Ich (ich befinde mich gerade an dem und dem Ort), (3) das Ich als Zentrum individuellen Verhaltens und Erlebens (perspektivisches Ich), (4) das Ich als Subjekt perzeptiver, kognitiver und emotionaler Leistungen und Zustände (ich habe diese Wahrnehmungen, Ideen, Gefühle), (5) das Handlungs-Ich (ich tue gerade das und das), (6) das Autorschafts- bzw. Zurechnungs-Ich (ich bin Verursacher und Kontrolleur meiner Gedanken und Handlungen), (7) das autobiographische Ich (ich bin derjenige, der ich gestern/früher war), (8) das sprachliche Ich (Reden über sich selbst als überdauernde Einheit), (9) das (selbst-)reflexive Ich (Nachdenken über sich selbst), und (10) das ethische Ich bzw. das Gewissen. Man unterscheidet diese verschiedenen Ich- und Bewusstseinszustände vor allem deshalb, weil sie "dissoziieren", d. h. unabhängig voneinander beeinträchtigt sein können. Es gibt entsprechend Patienten, die ein normales Ich-Bewusstsein besitzen, aber nicht wissen, wer sie sind; andere wiederum behaupten, der sie umgebende Körper bzw. einzelne Körperteile gehörten nicht zu ihnen (vgl. Sacks, 1987; Lurija, 1991). Auch kann eine Leugnung der Autorschaft eigener Ideen und Handlungen auftreten, und zwar aufgrund neurologischer oder psychischer Erkrankungen ("Ich werde gedacht" usw.).< Aber ich will dieses Modell hier nicht weiter ausbauen. Meine naturwissenschaftliche Orientierung hält mich dazu an, mich auf beobachtbare oder funktionale Argumente zu beschränken. So gesehen, kann ich über Bewusstsein nicht viel sagen, das nicht schon besser gesagt wurde. Wichtig für eine Definition dürfte es vor allem sein, die anderen Zustände zu analysieren, wie den Schlaf, die Bewusstlosigkeit, den Scheintod, Drogenzustände oder Zustände von Gehirnverletzten. Diesen Ansatz verfolgt (Alfred Babene 1997 Link). Der interessanteste Zustand ist wohl der Schlaf, weil hier sowohl Input, als auch Output des Gehirns außer Kraft gesetzt sind. Die Beobachtung des Gehirns zeigt jedoch, dass die höheren Areale der Sinnesverarbeitung und des Denkens genauso aktiv sind wie im Wachzustand. Die dabei ablaufenden Träume sind dem Träumer in diesem Moment ja auch genauso bewusst. Nur überwinden sie oft nicht den Anschluss an die Wachphase, das bedeutet, wir erinnern uns meist nicht an unsere Träume (Crick 1997, S.277 Link). Bewusste und unbewusste Komponenten der BewegungskontrolleEin bewusst gesetztes Lachen, ein zu sehr bewusst kontrollierter Schwung beim Schifahren, eine bewusst kontrollierte Kontaktaufnahme mit einem Menschen... das alles wirkt immer eckig im Vergleich zu den fließenden Bewegungen, die wir zustandebringen, wenn wir nicht darüber nachdenken. Der Grund liegt darin, dass unser Bewusstsein immer nur einen Gedanken pro Zeit fassen kann, und deshalb die Bewegung aus lauter einzelnen bekannten Stücken zusammensetzen muss. Wenn ein Baby mit seinem Körper experimentiert und dabei Bewegungsabläufe einlernt, so ist daran immer der ganze Körper beteiligt. Alles ist gleichzeitig in Bewegung. Es sind fließende Bewegungen. Wiederholte Abläufe werden gemerkt. Beim bewusst kontrollierten Aneinanderfügen solcher Bewegungen, entsteht anscheinend das Problem, dass die erworbenen Versatzstücke nicht hundertprozentig aneinanderpassen. Der Körper beendet die letzte Bewegung nicht mit der exakten Ausgangsposition, die die nächste Bewegung verlangen würde. So entstehen möglicherweise die Ecken. Warum wir bewusst nur eine Bewegung kontrollieren können ist klar. Es hat keinen Sinn einem Körper mehrere unterschiedliche Anweisungen zugleich zu geben. Verdrängte ErlebnisseKann es in einem künstlichen System so etwas geben, wie aus dem Bewusstsein verdrängte Erlebnisse? Nachdem wir Bewusstsein nicht klar definieren konnten, sollten wir die Frage vielleicht anders stellen: Kann es Informationen aus vergangenen Erlebnissen geben, auf die ein künstliches System keinen Zugriff mehr hat, weil sie damals nicht bewältigt werden konnten? Ich denke, dass auch ein künstliches Gehirn in Situationen kommen kann, die einerseits starke Aktivität auslösen, weil sie trieblich äußerst relevant sind, und andererseits keine Lösung zulassen. Auch ein künstliches Wesen könnte gegen seinen Willen behandelt und beherrscht werden, ohne einen Ausweg aus dieser Situation zu finden. Seine unerfüllten Bedürfnisse werden zu einer Aktivität in seinem Gehirn führen, die sich dann immer wieder in die gleichen Bahnen ergießt. Es wird immer wieder die selben Vorstellungen durchleben, aber zu keiner Lösung finden, genau wie der Mensch in solchen Situationen. Wenn es stimmen sollte, dass die stärksten Signale im Gehirn die anderen überrennen, also immer nur der stärkste Gedanke siegt, und im Bewusstsein somit immer nur ein Gedanke pro Zeitpunkt vorliegen kann, dann blockiert eine Situation, die gedanklich nicht gelöst werden kann, dauerhaft unser Denkvermögen. Deshalb muss das System durch den Adaptionsmechanismus fähig sein, oft Aktiviertes zu hemmen. Damit wird die unlösbare Situation gedanklich verdrängt. Natürlich ist damit auch ein Teil der persönlichen Erfahrungen verdrängt worden, was in ähnlichen Lebenssituationen von Nachteil sein kann, und immer wieder zum Scheitern führen muss. Ein Beispiel wären Probleme von einst sexuell misshandelten Kindern in späteren Partnerschaften. Die Idee von Sigmund Freud, die als Kind unbewältigbaren Probleme durch Psychoanalyse dem Erwachsenen wieder bewusst zu machen, hat durchaus Sinn, denn dieser ist nun in einer anderen Lebenssituation, in der er ein solches Problem durchaus bewältigen kann. Es wäre doch amüsant, wenn die künstlichen Systeme der Zukunft auch der Psychoanalyse bedürften, um Lebensprobleme zu bewältigen. Da die meisten Verdrängungsvorgänge nicht sonderlich bewusst ablaufen, wird oft behauptet, unser Gehirn verdränge überhaupt nichts, sondern vergesse es. Dem widerspricht die Erfahrung, dass man etwas wissen kann, aber in der Situation, wo er das Wissen bräuchte, es nicht aufzurufen vermag. Dieser Zustand ist dem verdrängten Wissen sehr ähnlich. Auch gibt es bereits Studien, die zeigen, dass bewusstes Vergessen möglich ist (Abo-Ticker 2001.03.19 Link). Stress und DepressionNeben Verdrängungen und den damit einhergehenden blockierten Bewältigungsmöglichkeiten von Alltagssituationen dürfte wohl Stress zu den psychischen Hauptleiden des normalen Menschen gehören. Die Frage ist: Erklärt das hier beschriebene Modell auch dieses Phänomen? Es gibt Studien, die zeigen, dass Stress nur dann in Depression übergeht, wenn die stressenden belastenden Erlebnisse als unkontrollierbar empfunden werden. So sollten in einem Experiment Versuchspersonen schwierige Aufgaben vor lautem Hintergrundlärm lösen. In einer Versuchsgruppe wurde den Vp. ein Schalter gegeben, mit dem sie den Lärm abstellen konnten. Eigenartigerweise benützte diesen niemand. Aber diese Gruppe löste fünfmal so viele Rätsel und fühlte sich kaum gestresst (Holler 1996, S.103 Link). Das Wissen um die Kontrollmöglichkeit genügt. Das heißt: Solange ein Verhalten bekannt ist, das von den Unlust-Erlebnissen wieder zurück ins Gleichgewicht führt, können diese sinnvoll verarbeitet werden, und schaden nicht. Selbst die exakte Voraussage stressender Erlebnisse hilft, denn das Gehirn hat damit seine Arbeit getan, und braucht sich nicht mehr weiter mit dem Stimulus zu beschäftigen. So weisen Ratten denen Elektroshocks in zufälliger Anordnung gegeben werden, viel mehr Stresssymtome auf, als Ratten, denen die gleiche Anzahl in voraussagbarer Regelmäßigkeit verabreicht wird. Hilflosigkeit kann auch erlernt werden, wobei das Wesen es dann generell aufgibt, nach einer Bewältigung der Lebensprobleme zu suchen. Die erlernte Hilflosigkeit dient als Tiermodell für depressive Erkrankungen (Hüther 2001 Link). Wenn Stress und Depression aus Lernvorgängen zu erklären sind, können sie möglicherweise auch einmal in künstlichen Gehirnen auftreten. Dass die Reizüberflutung der heutigen Medienkultur unser Gehirn stresst, kann an Studien zur Veränderung der sinnlichen Wahrnehmung erschlossen werden. In Deutschland werden im Abstand von 5 Jahren jeweils 4000 Probanten auf deren Sinnesleistungen untersucht. Dabei ist eine ständige Desensibilisierung zu beobachten. Vor 15 Jahren konnte der Durchschnittsdeutsche z.B. noch 300 000 Klänge unterscheiden. Heute nurmehr 180 000. Ähnliches ist bei anderen Sinnen zu verzeichnen (Holler 1996, S.279 Link). SchlussWarum gab es ein solches Modell noch nicht?Wir haben also nun eine erste Vorstellung davon, was ein neuronales Netzwerk, wie es das Gehirn ist, leisten muss. Diese stark vereinfachte Vorstellung lässt bereits erkennen, dass kein Mensch jemals in der Lage sein kann, ein fertiges Gehirn zu programmieren. Das bedeutet aber nicht, dass ein künstliches Gehirn ein Ding der Unmöglichkeit darstellt! Auch die Natur schafft es nicht uns ein fertig programmiertes Gehirn einzubauen. Vielmehr kommen wir mit einem Volumen auf die Welt, das überwiegend erst durch die Natur programmiert wird. Es sind also auf lange Sicht nur selbstlernende Modelle von Wert, wie eben das hier beschriebene. Warum gab es ein solches Modell noch nicht? Ganz einfach deshalb, weil die Psychologie, und Neurophysiologie als empirische Wissenschaften einen solch theoretischen Zugang ablehnen und nicht fördern. Umgekehrt lehnt die Philosophie es ab, als Diener der Naturwissenschaften deren Unordnung einen Sinn zu verleihen. Auch mit der Technik will sich die Erkenntnisphilosophie ungern verbinden, denn man glaubt nicht, dass eine theoretische Lösung von Datenverarbeitungsproblemen uns etwas darüber sagen kann, wie wir Erkenntnisse gewinnen und wie die Welt in unseren Kopf kommt. Viel eher glaubt man, dass eine Erforschung des Gehirns Ideen für die Informatik bringt als umgekehrt. Ich hingegen denke, dass es nur einen idealen Weg gibt, um ein System mit einer künstlichen inneren Repräsentation der Welt zu entwickeln, und wenn wir diesen kennen, werden wir entdecken, dass das Gehirn einen ganz ähnlichen Weg gegangen ist. Vielleicht gibt mir die zukünftige Gehirnforschung ja Recht, und man entdeckt im Gehirn jene Prozesse, die hier noch Hypothesen sind. Vieles ist ja schon entdeckt. Obwohl viele Forscher nach Lösungen für Probleme suchen, die hier gelöst wurden, rechne ich damit, dass die Arbeit schwer Leser findet. Die meisten Forscher glauben nicht an eine allgemeine Lösung des Erkenntnisproblems, und ignorieren Arbeiten wie diese, um sich weiter in ihre Detailprobleme zu verstricken. Auch fehlt vielerorts der Glaube an die Machbarkeit eines menschenähnlichen Kunsthirns. Dazu kann ich nur sagen: Ohne den dementsprechenden Glauben, die Willenskraft und die finanziellen Mittel, wäre auch der Mondflug nicht möglich gewesen. Das einzige, das wir in Europa von den Amerikanern lernen sollten, ist der Glaube an das eigene Vermögen. Über dem Teich ist man schon dabei, elektronische Hardware zu entwickeln, die so arbeiten soll wie die Sehrinde (Hawkins u.a. 2001 Link) und nach meiner Einschätzung ist es dann nur noch ein kleiner Schritt zu einer Hardware des gesamten Gehirns. Die Japaner haben das verstanden. Dort werden zehn Milliarden US-Dollar in die Neuroforschung investiert (http://www.heise.de/ kiosk/archiv/ct/97/04/132/). Warum? Natürlich weil hier der Markt der Zukunft liegt. Und Europa? Europa glaubt, hier sei nichts zu holen, weil das Gehirn sowieso nie als Ganzes verstanden werden kann. Als ich die groben Grundzüge meiner Arbeit vor zwei Jahren einigen deutschen Professoren vorstellte, um jemanden für die Doktoratsbetreuung zu finden, sagte man mir, meine Ziele seien schlichtweg unerreichbar. Sie waren nicht einmal interessiert das bereits vorhandene Schriftstück zu lesen. Ich hätte diese Arbeit gar nicht begonnen, wenn ich diesen Glauben teilte. Wer hätte zum Beispiel vor zwei Jahren gedacht, dass Computer-Spracherkennung einmal mit dem Menschen mithalten wird, und heute ist es schon soweit (Berger 2002 Link). Und wie ist es dazu gekommen? Ganz einfach durch eine theoretische Abstraktion der Vorgänge im Gehirn. Und genau etwas derartiges habe ich mit meiner Arbeit geleistet. Was den heutigen Stand der Künstlichen-Intelligenz-Forschung betrifft, so arbeitet sie aus meiner Sicht, zumindest in Europa, an einer Gesamtlösung vorbei, weil immer davon ausgegangen wird, eine bestimmte abgrenzbare Aufgabe zu bewerkstelligen. Das hier dargestellte Modell funktioniert demgegenüber gerade deshalb, weil es keine Aufgabengrenzen kennt. So kann es alle Bausteine für alle Zwecke verwenden, und aus allen Situationen etwas lernen. Gerade das macht die Effizienz aus. Besonders problematisch finde ich es, Übersetzungsprogramme für Computer zu entwickeln, ohne auf eine Repräsentation der Welt zurückgreifen zu können. Das System, das ich konzipiert habe, kann zu Spracherwerb fähig sein, vorausgesetzt die Kapazität reicht aus. Es braucht ja nur noch Laute an die vorhandenen Gestaltbegriffe binden, und lernen diese Laute auch situationsgerecht zu produzieren. Mag sein, dass zur Umsetzung dieses Modells eine eigene Hardware notwendig ist, oder das mobile Wesen mit einem Großrechner verbunden sein müsste. Verfügen wir aber einmal über eine selbsterlernte Verschaltung, so kann diese ja kopiert werden. Neues dazuzulernen ist für ein kopiertes Wesen dann nicht mehr in großem Ausmaß notwendig. Es kann den Großteil seines kopierten Wissens in einer starren Verschaltung gespeichert haben, deren Produktion ungleich weniger aufwendig ist. Wenn die kopierten Wesen nur über einen kleinen Teil an selbstlernender Struktur verfügen müssen, dann sind sie vielleicht schon bald günstig herzustellen und bevölkern in 20 Jahren unsere Haushalte, als Spielgefährten und Haushaltshilfen. Meine Vorstellung ist ein leises Wesen, das mit Hydraulik funktioniert, wobei durch Schaumstoff auch das Zischen der Luft gedämpft werden sollte. Ich stelle mir vor es arbeitet mit Luftdruckflaschen. Es wäre kein Problem, wenn diese bei starker Aktivität alle 10 Minuten leer sind, denn es könnte sie selbstständig wechseln, und die Flaschen ließen sich über einen hauseigenen Druckluftschlauch ohne Lärmbelästigung nachfüllen. Ich stelle mir weiche, kuschelige Wesen vor, die ungeschickt wie Kleinkinder die Welt erforschen. Mit den Robottern aus Science-Fiction hat meine Vorstellung wenig gemein. Unsere westliche Kultur lebt vom Wandel. Aber die Entwicklung gerät derzeit ins Stocken. Die Informationsflut führt dazu, dass die Menschen keine Information mehr wollen. Unser Gehirn ist überfordert und kann in der Summe von Informationen das Wertvolle nicht mehr herausfiltern. Wir brauchen eine Technologie, die uns entlastet, und nicht immer weitere Belastungen bringt. Künstliche Gehirne bieten also einen Schritt in die richtige Richtung. Künstliche Wesen, Horrorvorstellung oder Bereicherung?Wenn ich Menschen von meiner Vision künstlicher Wesen erzähle, so denken die Meisten sofort an die Kampfmaschinen aus den Science-Fiction-Filmen oder an ihren persönlichen alltäglichen Kampf mit dem Computer. Ich glaube nicht, dass aus dem hier dargestellten Modell jemals eine Kampfmaschine hervorgehen könnte. Die motorischen Fähigkeiten, die die Natur über Millionen von Jahren in uns verankert hat, kann ein solches Kunstwesen wohl nie erreichen. Ich halte es eher für möglich, dass es in den kognitiven Fähigkeiten einmal dem Menschen gleicht, als dass es dessen Geschicklichkeit erwirbt. Wenn es ungeschickt wie ein Kleinkind bleibt, ist es als Kampfmaschine nicht brauchbar. Was ich eher für möglich halte, ist, dass künstliche Gefährten in etwa 30 Jahren Behinderten wieder zu Selbstständigkeit verhelfen werden, ein Bereich, in dem die Gehirnforschung schon heute ihre größten Erfolge feiert. So ist es zum Beispiel inzwischen möglich durch Einpflanzung von Elektroden im Gehirn, einem gänzlich gelähmten Menschen die Kontrolle über eine Computermaus zu geben (WSA 2002.03.18 Link). Künstliche Wesen könnten uns gesundheitsschädliche Aufgaben abnehmen. Sie werden aus unserer Welt genauso wenig wegzudenken sein wie heute der PC. Sie werden Sprache verstehen und als erziehbare Wesen für jedermann bedienbar sein, sogar von Menschen, die weder lesen noch schreiben können. Sie werden manch einsamem alten Menschen wichtiger sein als sein Fernseher. Aber viel wesentlicher ist: Künstliche Wesen werden das Bild grundlegend verändern, das der Mensch von sich selbst hat, denn wir werden sie in vielen Dingen als uns ähnlich erleben. Sie werden uns einen Schritt näher bringen, zu begreifen was wir sind, bzw. nicht sind. Tatsächlich hat der Mensch eine Eigenschaft, deren Zweck ich bis heute nicht verstehe, und die künstliche Wesen wohl nicht haben werden. Er sucht in seinem Leben nach einem Sinn. Ich beobachte, dass Menschen in der Mitte ihres Lebens in eine Depression verfallen, wenn sie sich als Individuum nicht irgendwo unersetzbar fühlen können. Individuell unersetzbar kann man für seinen Partner sein, oder für seine Kinder, aber man kann auch eine Arbeit verfolgen, von der man glaubt, dass sie sonst niemand in der Qualität machen könnte oder machen wollte. Auch künstliche Wesen werden individuell verschiedene Eigenheiten entwickeln, wenn sie selbstlernend sind. Aber werden sie in dieser Individualität auch eine Qualität sehen? Für uns Menschen wird darin jedenfalls eine Qualität liegen. Man könnte ihre Individualität unterstreichen, indem man ihr Äußeres von Künstlern gestalten lässt. Es ist schön etwas zu besitzen, das es auf der Welt nur einmal gibt. Ich glaube man wird sie lieben können, wenn sie durch ihre Individualität etwas Lebendiges ausstrahlen. Außerdem werden sie unsere Erziehungsmaßstäbe übernehmen, und so auch etwas von unseren Eigenheiten in sich tragen. Stichwort Lebendiges. Die Definition von Leben beruht auf dem Begriff der Selbstreproduktion. Werden künstliche Wesen einmal intelligent genug, um die Menschen im Produktionsprozess ersetzen zu können, dann können sie sich theoretisch selbst reproduzieren, und sind damit Lebewesen. Ihre Art des Lebens kennt dann aber nicht die Begrenztheiten des unseren. Sie könnten jeden Abend ihre tagsüber erworbenen Kenntnisse in einem Computer sichern. Werden sie z.B. überfahren, so schickt die Lebensversicherung einen neuen Körper und spielt das Wissen wieder in ihn hinein. Der Körper könnte nach dem neuesten Stand der Technik, zusätzliches Gehirnvolumen beinhalten, so dass eine Weiterentwicklung möglich ist. Die Wesen wären also unsterblich. Bei der Entwicklung neuer Wesen, wären völlig neue Konstruktionen möglich. Wenn für einen Beruf noch ein zusätzlicher Arm von Vorteil ist, dann kommt er dran. Die Wesen bräuchten sich auch nicht vor all den biologischen Krankheiten zu fürchten. Sie würden mit dem Menschen nicht um Ressourcen streiten, weil sie andere Bedürfnisse hätten, und in der Wüste oder im Weltraum genug Energie und Platz vorfänden um zu leben. Genaugenommen hätten sie ohne Fortpflanzungstrieb nicht einmal einen Bedarf nach immer mehr Lebensraum. Deshalb würden sie aus meiner Sicht das tun, was andere Systeme in der Natur auch tun, wenn sie sich nicht um Ressourcen streiten. Sie würden eine Symbiose mit dem Menschen bilden. Sie könnten eingesetzt werden, um in unwirtlichen Gebieten Arbeiten zu verrichten, die notwendig sind diese Gebiete wieder zu begrünen und für den Menschen vorzubereiten. Meine Vision einer Welt mit künstlichen Wesen gleicht dem Idealbild, das wir von der griechischen Antike in uns tragen. Natürlich vergessen wir bei diesem Bild gerne, dass die Freiheiten des Bürgers damals nur aufgrund der Sklaven gegeben waren, die ihm die Arbeit abnahmen. Heute ist unsere begrenzte Lebenszeit so vollgefüllt mit Arbeit, dass wir kaum mehr Zeit finden für das Miteinander, für Freunde, Familie, Hobbys und Interessensgruppen. Der Geist ist so besetzt von dem Zwang in dieser komplizierten Welt zu funktionieren, dass kaum noch Platz ist für Gedanken über das Phänomen unserer Existenz und des Bewusstseins. Kaum jemand hat die Muße von einer idealeren Welt zu träumen. Wir zwingen unsere Kinder in ein Schulsystem, das sie immer voller stopft mit Fertigkeiten, weil wir Angst haben, sie könnten ohne vollgestopftes Gehirn in dieser Welt nicht funktionieren. Die Anforderungen sind so hoch geworden, dass in ihnen keine Energie mehr bleibt, Eigeninteressen zu entwickeln. Sie wissen nicht, was sie mit ihrem Leben anfangen wollen. Das ist der Punkt an dem sie der Konsumkultur verfallen, die sie über die Medien steuert, und uns suggeriert, dass wir ohne ständiges Wirtschaftswachstum nicht leben könnten. In Wahrheit können sie die erworbenen Freizeitartikel gar nicht nutzen, weil ihnen die geistige Anpassung an die engstirnige Funktionsweise von Computerprogrammen die Freizeit und den Schlaf raubt. Leben kennen sie nur aus dem Fernseher. Nach Schulabschluss vereinsamen sie und tätigen die meiste Kommunikation nurmehr über Internet. Deshalb brauchen wir künstliche Wesen, die sich geistig an uns anpassen können, die für uns selbstständig Aufgaben erledigen, die wir nicht tun wollen, und die uns unsere Lebenszeit zurückgeben für unsere Interessen, und unsere zwischenmenschlichen Kontakte. Wesen, die wir verstehen können, weil sie in ihrer Grundstruktur so einfach sind, wie sie diese Arbeit in 36 Regeln beschreibt. Wenn Menschen wieder Zeit haben, und das Vertrauen in ihnen wächst, dass das Leben eine leicht zu bewältigende Sache ist, mit dienenden Wesen an ihrer Seite, dann brauchen sie ihre Kinder auch nicht mehr in ein Massenausbildungssystem stecken, sondern können ihnen in kleinen betreuten Interessensgruppen die Welt erobern lassen. Das ist die Zeit, in der mein Beruf Lehrer eine schöne Sache sein wird. Noch etwas erhoffe ich mir. Ich denke, dass das Schreiben eines Buches eine sehr unflexible Form ist, Wissen weiterzugeben. Würde ich mein Wissen einem künstlichen Wesen vermitteln können, dessen geistige Existenz vervielfältigbar und langlebig ist, wie die eines Buches, so hätte dieses Wesen als Wissensvermittler den Vorteil, dass es den Inhalt in Form von Gesprächen weitergeben kann. Der Zuhörer kann fragen und bekommt Antworten. Antworten auf Fragen, die wir gestellt haben, merken wir uns auch. Der Unterschied ist in etwa der, wie wenn ich eine Betriebsanleitung lese, oder mir jemand die Funktion meines Gerätes zeigt. Im zweiten Fall komme ich schneller zum Ziel. Außerdem kann das Wissen in dem künstlichen Wesen weiterwachsen. Bisher ist der Mensch das einzige Wesen, das seine Vorstellungen mitteilen kann. Das macht ihn einsam. Seine Antwort auf diese Einsamkeit ist aus meiner Sicht die Religion. Vielleicht wird er in ferner Zukunft in einer Symbiose mit einer Lebensform leben, die diese Einsamkeit vertreibt. Ich stelle es mir sehr spannend vor, mich mit einer derart fremden Lebensform zu unterhalten, einer Lebensform, die vielleicht die Zukunft der Evolution darstellt. Bisher konnte die Evolution immer nur an dem weiterbauen, was vorhanden war. Diese neue Lebensform hingegen wird sich selbst jederzeit umkonstruieren können, und neue Modelle herausbringen. Ich bin sicher, dass die Zeit kommen wird, wo Menschen diese Lebensform erschaffen. Eine kleine Gruppe von Vorkämpfern werkt bereits daran, während der Rest der Menschheit einen solchen Schritt nicht einmal für möglich hält. Die erfolgreichsten Konzepte werden wohl einmal in die Geschichte eingehen. Wie soll es weitergehen?Inzwischen sollte klar sein, dass ich das Modell vor allem für eine praktische Umsetzung konzipiert habe. Aber wie soll es dazu kommen? Als Einzelperson kann ich eine solche Umsetzung natürlich weder finanzieren noch leisten. Zunächst muss der Text von jemandem gelesen werden, der, von seiner technischen Ausbildung her, mehr vorweisen kann als ich, ein Universitätsprofessor zum Beispiel. Seine positive Kritik kann mir dazu verhelfen, dass sich weitere solche Leser finden, und weitere positive Kritiken geben, die ich mit dem Text verschicken kann. Ich könnte so die Möglichkeit erhalten, da oder dort einen Vortrag zu halten, oder Artikel zu schreiben. Vielleicht findet sich dann ein Verleger, der bereit ist das Werk in Buchform herauszubringen. Mit genügend Kontakten und positiven Kritiken kann man daran denken, eine Interessensgruppe für erste Experimente zum Modell zu finden. Die Hauptaufgabe bestünde aus meiner Sicht in der Entwicklung einer funktionstüchtigen elektronischen Umsetzung eines Neurons, das die beschriebenen Regeln befolgt. Mit einigen solcher Neuronen sollten erste Simulationen von Teilbereichen des Modells möglich sein. So ließe sich abschätzen, was es leisten kann, wenn man es in größerer Dimension umsetzt. Nun könnte man eine Kosten und Leistungseinschätzung anstellen, die einem möglichen Investor sagt, wieviel er investieren muss, bis eine marktreife Hardware, also ein künstliches Gehirn entwickelt ist. Der Aufwand rechnet sich auf jeden Fall. Die Frage ist nur, ob in fünf Jahren oder in zwanzig. Aber ab dem Moment wo Firmen in diese Zukunftsvision investieren, geht alles seinen Weg. Nur wie kommt es bis dorthin? Meiner Ansicht nach kann bereits jetzt jeder Leser etwas dazu beitragen, indem er den Text an technisch talentierte Menschen weiterempfiehlt. Ein begeisterter Technik-Student, der z.B. für sein Diplom den Signalfluss simuliert, kann entscheidend sein, und plötzlich kommt die Sache ins Rollen. Gute und schlechte Zeiten einer Kultur gehen immer konform mit dem Glauben an eine gute oder schlechte Zukunft. Optimismus führt eine Kultur aus der Krise, weil er dazu führt, dass die Menschen unternehmungslustig werden. Genauso ist es mit der Umsetzung eines solchen Modells. Am Anfang muss der Glaube und das Wollen stehen. Das ist Grundbedingung, damit die Gedanken zu planen beginnen. Dann ergibt sich der Weg wie von selbst. Das gilt auch für die Finanzierung. Nur wenn der Glaube da ist, wird jemand Geld in ein solches Projekt stecken. Überwiegt Zukunftsangst, so ist jeder Weg blockiert. Kein erfolgreicher Mensch hat je aus Zukunftsangst irgendetwas vollbracht! Impft euren Kindern also nie Zukunftsangst ein! Für mich ist die künstliche Intelligenz ein Weg, um das Gehirn und auch den menschlichen Geist auf eine neue Weise verstehen zu lernen. Ich habe nicht die Sorge, dass der Mensch dadurch entweiht würde, denn umso tiefer man in dieses Wissen vordringt, umso mehr Rätsel tauchen auf. Mag sein, dass sich zum Beispiel die Frage nach dem menschlichen Bewusstsein in Zukunft aus einer neuen Perspektive stellt, aber das Wunder wird dadurch doch nur noch größer werden.
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