| Lob der Pause: Warum unproduktive Zeiten ein Gewinn sind
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Humanistische Erbauungsliteratur
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Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 1000 REZENSENT) (REAL NAME) Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?) Rezension bezieht sich auf: Lob der Pause: Warum unproduktive Zeiten ein Gewinn sind (Broschiert) Ich halte täglich Siesta, gehe oder laufe mit meinem Hund Bello durch den Wald, besitze weder Armbanduhr, Handy oder Fernseher. Geweckt werde ich von Bello und dem Kater Beppo (das ist allerdings erbarmungsloser als ein Wecker). Insofern rennt der Autor mit seinem Lob der Pause offene Türen ein. Ich habe mir allerdings konkrete Ergebnisse zur Zeit- und Biorythmus Forschung erwartet. Das Buch ist aber keine wissenschaftliche Abhandlung sondern humanistische Erbauungsliteratur. Im Grunde hätten bereits Cicero oder Seneca dieses Buch schreiben können. Wahrscheinlich hat sich der Autor auch die Werke dieser Autoren bis in die sprachlichen Figuren hinein als Vorbild genommen.
Dort wo der Autor aktuell wird ist er peinlich ahnungslos. So ortet er im pausenlosen High-Frequency-Trading die Ursache für den grossen Börsenkrach im Jahr 2008. Aktien werden in den USA aber immer noch zwischen 8:30 und 16:00 gehandelt. Der mit Abstand liquideste Titel sind S&P-500 Futures. Diese werden tatsächlich von Montag bis Freitag rund um die Uhr gehandelt. Allerdings ist das Handelsvolumen über Nacht minimal. Auch über Mittag sinkt an normalen Handelstagen die Aktivität stark ab. Es spielt sich eigentlich nur 2-3 Stunden am Tag, in der Früh und nach der Mittagspause am frühen Nachmittag, richtig ab. Die Aktivität der High-Frequency Trader ist auf diesen Zeitraum beschränkt. High-Frequency-Trading benötigt Liquidität (hohes Niveau von Angebot und Nachfrage) und Volatilität (auf und ab der Kurse).
Die Ursache der Finanzkrise war das Platzen einer Immobilienblase in den USA. Das hat sich auf die Börsen weltweit fortgepflanzt, weil die Immobilienkredite zu immer komplexeren Anleihen gebündelt wurden und die Absicherung dieser Anleihen plötzlich nicht mehr gewährleistet war. Ausserdem haben branchenfremde Mitspieler, angefangen von Versicherungen bis hin zu Dorfbürgermeistern, im grossen Stil Credit-Default-Swaps (Konkurs-Ausfallhaftungen) verkauft. Diese wurden zur Überraschung aller auf einmal schlagend. Der Grossteil dieser Titel wurde gar nicht auf Börsen sondern OTC (Over-The-Counter) gehandelt. OTC ist dem Wesen nach eine langsame Transaktion, weil es nicht um genormte Produkte geht, sondern sich die Vertragspartner die Bedingungen erst ausschnapsen müssen. High-Frequency-Trading trägt zweifellos ein Scherflein zu Destabilisierung der Finanzmärkte bei. Mit der Krise von 2008 hat es aber so gut wie nichts zu tun. Im Grunde gibt es Börsenkrachs seit es Börsen gibt. Der Tulpenkrach in Holland, South-Sea-Bubble in England. Die waren von den ökonomischen Auswirkungen auch mindestens so gravierend wie die aktuelle (siehe Mackay). Der Autor kennt sich offensichtlich besser bei Cicero und Goethe als auf Finanzmärkten aus. Dann soll er aber dieses Thema nicht behandeln.
Die Beurteilung des Buches ist eine Geschmacksfrage. Wer auf elegant geschriebene humanistische Erbauungsliteratur steht wird sehr zufrieden sein. Wer mehr von konkreter Wissenschaft hält kommt nicht auf seine Rechnung. Auf alle Fälle kann man es auch ohne Pause in einem Zug durchlesen.
Ohne Einschränkungen empfehlen kann ich hingegen R.Levine: Eine Landkarte der Zeit: Wie Kulturen mit Zeit umgehen Die klassische Beschreibung von frühen Börsenkrachs findet sich in Charles Mackay: Extraordinary Popular Delusions and the Madness of Crowds.
Die primäre Funktion des Zitierens von Cicero, Goethe & Co. ist Prestige. Man muss das knappe Gut Muße haben um derartiges zu lesen. Siehe dazu Thorstein Veblen: Theorie der feinen Leute.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 16. September 2010 |
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